|

Schülern lebendige Geschichte vermitteln Taunussteiner Jugendliche an die deutsche Geschichte der NS-Herrschaft heranzuführen, ohne den ständig erhobenen Zeigefinger der Nachkriegsgeneration, sondern durch die sehr persönlichen Schilderungen von Menschen, die den Holocaust am eigenen Leib erfahren mussten, ist Ziel des Projektes „Zeitzeugen“.
Gemeinsam mit der Stiftung Brücke/Most und dem Historiker und gebürtigen Taunussteiner Werner Imhof hat die Bürgerstiftung Dr. Frank Reiss in die Mensa der IGS Obere Aar eingeladen, um vor 20 Abiturienten und 120 Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen zu sprechen. Reiss, 1935 in Berlin geboren und inzwischen sowohl amerikanischer wie auch tschechischer Staatsbürger, ist davon überzeugt, dass „die Deutschen die richtigen Lehren aus der Zeit des 3. Reiches gezogen und damit in den vergangenen 60 Jahren eine positive Erfahrung gemacht haben“. Sie hätten diese Erkenntnisse auch an die nächsten Generationen weitergegeben. Bestes Beispiel dafür seien die Schüler unter den Zuhörern, die sich jetzt über den Einzug von rechtsradikalen Parteien in die Parlamente empören. Die staunenden und aufmerksamen Jugendlichen (man hätte die sprichwörtliche Stecknadel auf den Boden fallen hören) erfahren an diesem Morgen in der Mensa der IGS, dass Dr. Reiss als Jude den Holocaust hat erleben müssen, mit 8 Jahren Vollwaise wurde und ein Jahr später das Ghetto in Theresienstadt überlebt hat. Und dass ausgerechnet Roman Mach, dessen Vater Alexander Mach als slowakischer Innenminister die Deportationsbefehle für 70.000 Juden unterschrieben und dadurch die meisten dem Tod geweiht hat, im Jahre 1947 zum Klassenkameraden und besten Freund von Frank Reiss wurde, bis heute. Filmausschnitte und Buchpassagen wühlen auf Diese besondere Freundschaft, aus einer Ironie des Schicksals entstanden, gab auch der im letzten Jahr erschienenen Biografie von Dr. Franz Reiss: Der Vater meines besten Freundes schickte meinen Vater ins KZ Titel und Inhalt. Begleitend zum Vortrag liest Imhof Textauszüge aus dem Buch und zeigt Ausschnitte aus einem Film der Sender Arte/Südwestfunk über Reiss und Mach, die bei den Zuhörern Betroffenheit auslösen und immer wieder auch Erstaunen darüber, dass Frank Reiss dem Erlebten auch mit Humor begegnet. Nein, er hege keinen Hass, denn sonst würde er sich zum Opfer machen lassen, so Reiss auf Nachfrage der Schüler, die durch den vorausgegangenen Unterricht sehr gut vorbereitet in dieses Gespräch gekommen sind. Aber die Diskussion mit Jugendlichen, das Aufmerksam machen, um aus der Geschichte einen verantwortungsvollen Umgang mit der Gegenwart zu entwickeln, scheint seine Mission zu sein. Und ist auch Motivation für die Bürgerstiftung Taunusstein, das Projekt an der IGS Obere Aar finanziell zu unterstützen. Damit wir einen Beitrag zur Vermittlung von lebendiger Geschichte leisten können, sie interessant machen gerade für Jugendliche in der Mittelstufe.
|